Fußball:

Dortmund feiert die "Helden von Porto"        (1999)

Nach der unglücklichen Niederlage im letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Boavista Porto bereitete die Anhängerschaft der ansonsten siegreichen Borussen ihrer Mannschaft einen warmen Empfang. Tröstende Sprechgesänge der Fans munterten die wackeren Schwarz-Gelben auf, als sie in Dortmund-Wickede aus der Chartermaschine stiegen. Auf den Schultern der treuen Fans wurden die Spieler in die Innenstadt getragen, der Vereinsbus fuhr leer hinterher.
Auch der Oberbürgermeister hatte in einer Nachtsitzung des Stadtrates eine angemessene Ehrung der Kämpen vom Borsigplatz durchgesetzt: "Wegen ihres überzeugenden Auftretens im Ausland, insbesondere im letzten Spiel in Portugal, vor den Augen von ganz Fußball-Europa, wird der gesamten Mannschaft der Borussia die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dortmund verliehen. Die Stadt ist stolz auf ihre Botschafter, die durch ihre vorbildliche Leistung die alten Bergarbeitertugenden Fleiß, Einsatzwillen und Zähigkeit, welche die Stadt einst groß gemacht haben, in alle Welt getragen haben."
Einige Spieler hatten sichtliche Probleme, ihren Namen ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, offenbar wegen der körperlichen Entkräftung nach den unmenschlichen Strapazen des kampfbetonten Spiels vom Vortag.

Keiner der Zuschauer des Spiels in Porto hatte eine solche Leistungssteigerung der Borussen-Elf für möglich gehalten, waren doch schon die letzten Begegnungen in der Champions-League und in der Bundesliga auf so hohem Niveau, daß die Fans regelmäßig in Verzückung gerieten. Nur unglückliche Mißgeschicke einzelner Borussenspieler, willkürliche Schiedsrichterentscheidungen und von der UEFA nicht geahndete Regelverstöße der Gegner (die Mannschaft von Trondheim war bekanntlich zeitweise mit 13 Feldspielern auf dem Platz) verhinderten jeweils den verdienten BVB-Sieg, und dies mögen die Anhänger ihrer Mannschaft, die sich gerade im letzten Spiel gegen die bärenstarken Portugiesen förmlich zerrissen hat, nicht ankreiden. "Mehr kann man nicht tun", so ein schwarz-gelber Fan, "wir sind unendlich stolz, trotzdem".

Schmerzlich wurde bei den Feierlichkeiten der überragende Mittelfeldregisseur Andreas Möller vermißt, der sich immer noch in einem Dortmunder Krankenhaus wegen eines eingerissenen Fingernagels stationär behandeln lassen muß. Diese Verletzung hatte bereits seinen Einsatz in Portugal verhindert.
BVB-Manager Michael Meier ließ am Rande der anschließenden Pressekonferenz durchblicken, daß der BVB kurz vor einer sensationellen Neuverpflichtung steht: Man verhandele mit dem Schalker Abwehrchef Olaf Thon über einen Wechsel nach Dortmund und sei sich "im Grunde schon" einig, der entsprechende Vertrag sei nur deshalb noch nicht unterzeichnet, da sich der potentielle Neuborusse noch nicht von seinem Rhetorik-Lehrstuhl an der Gelsenkirchener Universität trennen wollte, welchen er seit zwei Jahren nebenberuflich innehat. Laut Meier würde diese Neuverpflichtung der BVB-Abwehr noch mehr Stabilität verleihen, da sich Keeper Jens Lehmann und Thon aus ihrer gemeinsamen Schalker Zeit gut kennen und praktisch blind verstehen.
Ein sofortiger Wechsel des kopfballstarken Abwehrspielers zur Borussia wäre unter anderem deswegen vonnöten, da Olaf Thon dann bereits im nächsten UEFA-Cup-Spiel gegen die Glasgow Rangers spielberechtigt wäre und mithelfen könnte, "die Schotten vom Platz zu fegen", wie es ein begeisterter Anhänger formulierte. Alternativ könnte er auch gegnerische Stürmer während des Spiels in ein Gespräch verwickeln und auf diese Weise verwirren.

SPORTSTOCKS-Magazin drückt dem BVB jedenfalls die Daumen im UEFA-Cup, der neuerdings in Westfalen auch "Europaliga 2" genannt wird.